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Lehren und Lernen im Primarbereich
Germany

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5.Primarbildung

5.2Lehren und Lernen im Primarbereich

Last update: 2 April 2025

Lehrpläne, Fächer und Stundentafel

Lehrplanentwicklung

Die für den Bildungsprozess der Grundschule wichtigen Lerninhalte und Kompetenzen werden sowohl in fach- und lernbereichsbezogenen als auch in fächerübergreifenden Lehrplänen, Bildungsplänen oder Rahmenplänen dargestellt. In allen Ländern sind zudem die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz für den Primarbereich Grundlage der fachspezifischen Anforderungen für den Unterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik in der Grundschule. Die Bildungsstandards für den Primarbereich beschreiben Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler am Ende der Jahrgangsstufe 4 in den Fächern Deutsch und Mathematik in der Regel erworben haben sollen.  Zur Implementation der Bildungsstandards für den Primarbereich werden die Lerninhalte entsprechend angepasst. Dabei geben die Bildungsstandards die Zielperspektive vor, während die Lehrpläne konkrete und verbindliche fächerspezifische Kompetenzerwartungen ausweisen. Neben den Bildungsstandards haben die im Rahmen der Strategie der Kultusministerkonferenz "Bildung in der digitalen Welt" vom Dezember 2016 (zuletzt geändert im Dezember 2017) formulierten Kompetenzen und Ziele in allen Ländern zu einer Überprüfung bzw. Überarbeitung der Lehrpläne geführt. 

Die Zuständigkeit für die Entwicklung von Lehrplänen bzw. Bildungsplänen für die Grundschule und alle anderen Schularten liegt bei den Kultusministerien der Länder. Die Lehrpläne bzw. Bildungspläne haben den Charakter von Weisungen der vorgesetzten Behörden und sind damit für die Lehrkräfte bindend. Die Einhaltung der Lehrpläne sicherzustellen ist auch eine Aufgabe der Schulleitung. Die Lehrpläne sind so formuliert, dass die Lehrkraft in Wahrnehmung ihrer pädagogischen Verantwortung agieren kann. Unter den Lehrkräften eines bestimmten Faches an einer bestimmten Schule findet allerdings in Form von Fachkonferenzen eine Abstimmung hinsichtlich der Unterrichtsmethoden, der Unterrichtsinhalte und der Leistungsbeurteilung sowie je nach Land auch der Lehr- und Lernmittel statt.

Die Erstellung eines Lehrplanes bzw. Bildungsplanes erfolgt gewöhnlich nach folgendem Verfahren. Nachdem im Kultusministerium eines bestimmten Landes die Entscheidung gefallen ist, einen Lehrplan zu überarbeiten oder völlig neu zu konzipieren, wird eine Kommission bestellt. Diese besteht in der Regel mehrheitlich aus praktizierenden Lehrkräften einschließlich Schulleiterinnen und Schulleitern, ansonsten aus Schulverwaltungsbeamtinnen und -beamten, Vertreterinnen und Vertretern der Schulforschungsinstitute der Länder und Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern aus dem Hochschulbereich. In der Regel lautet der Auftrag, für ein Fach einer bestimmten Schulart, für eine Schulstufe bzw. eine Schulart einen Lehrplan zu erstellen. Die Kommission erarbeitet daraufhin einen Entwurf. Erfahrungen mit den alten Lehrplänen gehen in die Lehrplanentwicklung mit ein. In einigen Ländern werden Lehrpläne auch versuchsweise erprobt, ehe sie ihre endgültige Fassung erhalten und allgemein gültig werden. Schließlich gibt es Verfahren der Anhörung von und Beratung mit Verbänden, Universitäten sowie Eltern- und Schülervertretungen.

Sobald die Entwicklung eines Lehrplans bzw. Bildungsplans abgeschlossen ist und dieser endgültig oder vorläufig in der Schule verwendet wird, werden die von den Kultusministerien getragenen Lehrkräftefortbildungsinstitute beauftragt, die Lehrkräfte auf die neuen Lehrpläne vorzubereiten. Auch die Schulbuchverlage beginnen, eine Revision oder Neukonzeption ihrer Titel in Angriff zu nehmen.

Eine zentrale Datenbank mit Lehrplänen bzw. Bildungsplänen für die allgemeinbildenden Schulen ist auf der Website der Kultusministerkonferenz zugänglich.

Fächer

Der Fächerkanon der Grundschule umfasst in der Regel folgende Unterrichtsfächer

  • Deutsch
  • Mathematik
  • Sachunterricht
  • Fremdsprache
  • Kunst
  • Musik
  • Sport
  • Religion / Ethik / Philosophie
  • Werken / Gestalten / Teschnik

Im Kontext aller Fächer ist fachübergreifendes und fächerverbindendes Arbeiten handlungsleitend. Dabei bilden Deutsch, Mathematik und Sachunterricht den fachlichen Kernbereich der Grundschule. Gemäß der „Vereinbarung zur Arbeit in der Grundschule“ nimmt der Unterricht in den Fächern dieses Kernbereichs mehr als die Hälfte des gesamten Unterrichts ein (mind. 53 Stunden von mind. 94 Stunden). Der Mindeststundenumfang schließt die nicht fachgebundenen ganzheitlichen oder projektorientierten Unterrichtsangebote ein, die insbesondere mathematische und sprachliche Kompetenzen stärken. Bei der Festlegung eines zeitlichen Umfangs ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass der sprachsensible Unterricht als Unterrichtsprinzip gilt und Sprachbildung Aufgabe aller Fächer ist.

Individuelle Förderung

Pädagogische Diagnostik sowie darauf aufbauende Beratung und individuelle Förderung gehören zu den Kernaufgaben der Grundschule.

Die individuelle Förderung setzt an den Lern- und Entwicklungsausgangslagen sowie den unterschiedlichen Interessen, Stärken, Potenzialen sowie Talenten der Schülerinnen und Schüler an. Die Basis für eine zielgerichtete pädagogische Förderung bildet stets ein qualitativ hochwertiger und binnendifferenzierter Unterricht. Darauf aufbauend können eine gezielte Förderung für einzelne Gruppen mit spezifischen Entwicklungsbesonderheiten oder zusätzliche Einzelförderungen für Schülerinnen und Schüler mit anhaltendem Lern- oder Entwicklungsbedarf erfolgen.

Fachliche Unterstützung im Bereich der Diagnostik und Beratung erhalten die Grundschulen durch Beratungslehrkräfte, Schulpsychologinnen bzw. Schulpsychologen, Schulsozialarbeiterinnen bzw. Schulsozialarbeiter, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, den schulärztlichen Dienst oder auch die sonderpädagogischen Bildungsrichtungen.

Fächerübergreifende Unterrichtsinhalte

Die fachspezifischen Curricula werden in den Ländern durch verschiedene übergreifende Bildungsbereiche ergänzt. Schülerinnen und Schüler erwerben dabei fachübergreifende Kompetenzen, mit denen einerseits fachspezifische Anforderungen erfüllt und andererseits bedeutsame individuelle bzw. gesellschaftliche Aufgaben und Anliegen in den Fokus genommen werden.  Mit Beschlüssen und Empfehlungen zu einzelnen Unterrichtsinhalten unterstreicht die Kultusministerkonferenz die Bedeutung, die diesen Themen in der Schule zukommt. Im Unterricht der Grundschule spielen die folgenden übergreifenden Unterrichtsinhalte eine Rolle: sprachliche Bildung, interkulturelle Bildung, Medienbildung und Bildung in der digitalen Welt, Gesundheitsbildung und Bewegungsförderung, MINT-Bildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Demokratiebildung. Nähere Informationen über fächerübergreifende Unterrichtsinhalte sind dem Artikel zu Lehren und Lernen in der allgemeinbildenden Sekundarstufe I zu entnehmen.

Zusätzlich berücksichtigen die Lehrpläne bzw. Bildungspläne der Länder in den letzten Jahren zunehmend das Konzept des lebenslangen Lernens. Die Aneignung grundlegender Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, der Erwerb von für weiteres Lernen anschlussfähigem Orientierungswissen sowie die Ausbildung zentraler Kompetenzen sind als Bildungsziele in den Mittelpunkt gerückt.

Unterrichtsmethoden und Unterrichtsmittel

Unterrichtsmethoden

In der "Vereinbarung zur Arbeit in der Grundschule" formuliert die Kultusministerkonferenz die folgenden Grundsätze für das Lehren und Lernen in der Grundschule:

Heterogenität und Inklusion

Die Lehrkräfte verstehen die Vielfalt der Schülerinnen und Schüler als Chance für das produktive Von- und Miteinanderlernen. Unterschiedliche Begabungen, Stärken und Interessen werden hierfür zugänglich gemacht und bereichern den Unterricht. Dabei kommt der Förderung der emotionalen und sozialen Entwicklung in der Grundschule ein besonderer Stellenwert zu.

Individualisierte Lernsituationen fördern die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler im Sinne der Bildungsgerechtigkeit. Die Grundschule verknüpft das allgemeine Bildungsangebot mit ergänzenden Bildungs-, Beratungs- oder Unterstützungsangeboten. Die beteiligten Professionen agieren abgestimmt entsprechend den individuellen Bedarfslagen und bieten zusätzlich ganztägige Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten.

Kompetenzorientierung und Selbstwirksamkeit

Lernen ist ein individueller, selbstgesteuerter und sozialer Prozess, der durch Lehrkräfte professionell gestaltet wird. Dazu gehören Kommunikation, Interaktion, Reflexion und Kollaboration. Die Kompetenzorientierung fokussiert den Prozess des Lernens in fachübergreifenden und fächerverbindenden, schulischen und außerschulischen Kontexten. Dabei ermöglichen die erworbenen Kompetenzen den Schülerinnen und Schülern, unterschiedliche und unbekannte Anwendungs- und Anforderungssituationen erfolgreich zu bewältigen und sich so als selbstwirksam zu erfahren.

Kommunikation und Sprachsensibilität

Im Unterricht der Grundschule wird die Sprache bewusst als Mittel des Denkens und Kommunizierens eingesetzt, um fachliches und sprachliches Lernen zu verknüpfen. Wesentliche Elemente sind die sprachsensible Haltung der Lehrkräfte und die systematisch in den Unterricht integrierte, gezielte Förderung sprachlicher und bildungssprachlicher Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler.

Digitalität und informatische Grundbildung

Analoges und digitales Arbeiten sind im Sinne eines qualitätsvollen Unterrichts miteinander verbunden. Eine altersgerechte, kritische Reflexion der Wirkungen digitaler Anwendungen auf die eigene Person und auf die Gemeinschaft gehört ebenfalls in diesen Kontext. Schülerinnen und Schüler nutzen digitale Dienste, Werkzeuge und Medien inhaltlich-pädagogisch sinnvoll sowie altersangemessen in einer adäquaten Lernumgebung. Es geht dabei um die Entwicklung von Anwenderkompetenzen sowie um die kreative und produktive Nutzung digitaler Möglichkeiten.

Medienpädagogische und informatische Inhalte tragen im Unterricht zum Erwerb von digitalitätsbezogenen sowie informatischen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern bei. Damit wird der Kultur der Digitalität Rechnung getragen.

Lebensweltorientierung und Partizipation

Die Grundschule knüpft an die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler an und greift sie altersangemessen und themenbezogen auf. Die Lehrkraft bezieht die Erfahrungen, Fragen und Anliegen der Schülerinnen und Schüler in den Unterricht ein. Unterricht und Schulleben eröffnen vielfältige Partizipationsmöglichkeiten, beispielsweise im Rahmen der Schülervertretungen und Klassenräte. Diese fördern Verantwortung für den eigenen Lernprozess und können die Leistungsmotivation steigern. Die Grundschule berücksichtigt die spezifischen Denk- und Erlebensweisen von Schülerinnen und Schülern durch ganzheitliche Lernzugänge.

Pädagogische Diagnostik und Förderung

Pädagogische Diagnostik sowie darauf aufbauende Beratung und individuelle Förderung gehören zu den Kernaufgaben der Grundschule.

Die individuelle Förderung setzt an den Lern- und Entwicklungsausgangslagen sowie den unterschiedlichen Interessen, Stärken, Potenzialen sowie Talenten der Schülerinnen und Schüler an. Die Basis für eine zielgerichtete pädagogische Förderung bildet stets ein qualitativ hochwertiger und binnendifferenzierter Unterricht. Darauf aufbauend können eine gezielte Förderung für einzelne Gruppen mit spezifischen Entwicklungsbesonderheiten oder zusätzliche Einzelförderungen für Schülerinnen und Schüler mit anhaltendem Lern- oder Entwicklungsbedarf erfolgen.

Leistungsanforderungen, die individuell angemessen, herausfordernd und erfüllbar sind, fördern Anstrengungsbereitschaft und Leistungsmotivation, Lernfreude und Selbstwertgefühl. Besonders für den Erwerb basaler Kompetenzen ist intelligentes und regelmäßiges Üben unabdingbar.

Darüber hinaus überprüft die Grundschule den Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler formativ und summativ aufgrund länderspezifischer Vorgaben. Die Ergebnisse fließen in eine konstruktive Leistungsrückmeldung ein. Nähere Informationen über die Leistungsbeurteilung im Primarbereich sind Kapitel 5.4. zu entnehmen.

Unterrichtsmittel

In den Lehrkräftekonferenzen werden die Schulbücher ausgewählt, die in einem Teil der Länder von dem für Schule zuständigen Ministerium zugelassen sind und in einem Schulbuchverzeichnis veröffentlicht werden. Zunehmende Bedeutung gewinnt der Einsatz digitaler Medien (Multimedia) und des Internets sowohl als Hilfsmittel für den Unterricht, als auch als Gegenstand von Lehren und Lernen. Aktuelle Informationen über Online-Ressourcen für den Unterricht und Internet-Projekte sind den Landesbildungsservern zu entnehmen, die über den Deutschen Bildungsserver als nationalem Web-Portal zugänglich sind.